Long-term project funded by the German Research Foundation

      

Corpus Masoreticum, Heidelberg Center for Jewish Studies

»The interpretation of Yaʿaqov ben Asher’s Torah commentary enables me to discover cultural differences between Ashkenazic and Sephardic masoretic and scribal traditions.«

Maria Seidel

Maria Seidel M.A.

Research Associate | maria.seidel@hfjs.eu

Curriculum Vitae

Education

Since 2018

PhD project "R. Yaʿaqov ben Asher's Masoretic Commentary and Its Relation to the Ashkenazic Masoretic Tradition" (first advisor: Prof. Dr. Hanna Liss)

2014

Semester abroad in Leiden (Netherlands)

2013 – 2017

M.A. in Jewish Studies, Universität Potsdam

2009 – 2013

B.A. in Jewish Studies and History, Universität Potsdam

Employment

Since 11/2018

Research Associate, Heidelberg Center for Jewish Studies, Chair of Bible and Jewish Biblical Interpretation, Project "Corpus Masoreticum"

2013 – 2017

Student Assistent, Chair for Jewish Thought, Universität Potsdam (first for PD Dr. Lucia Raspe, afterwards for Prof. Dr. Sina Rauschenbach)

2011 – 2013

Student Assistant, Project "Portal Digitales Brandenburg", Universitätsbibliothek Potsdam

2008 – 2009

Au-pair, Birmingham and London (UK)

Services to the University

Since 05/2019

Adjunct Faculty’s Elected Member of the Senate

Scholarships and Awards

2019

Scholarship of the World Union for Jewish Studies, Summer Ulpan at the Hebrew University, Jerusalem

2017

Gender Award for Outstanding Student Theses on Gender, Universität Potsdam ("Van goede getuigen voorzien… Historische Stellenanzeigen als Quellen in der Geschichtswissenschaft. Das Beispiel niederländisch-jüdischer Dienstmädchen")

Lectures and Presentations as Part of Corpus Masoreticum

08.07.2020, International Medieval Congress, University of Leeds: Scribes, Communities, Manuscripts: Yaacov ben Asher's Torah Commentary as an Intercultural Phenomenon (paper accepted; conference cancelled due to coronavirus)

03.02.2020, Research Kolloquium at the Chair for Bible and Jewish Biblical Interpretation, Heidelberg Center for Jewish Studies: Der masoretische Kommentar des R. Ya‘aqov ben Asher Ba‘al ha-Ṭurim in seinem Verhältnis zur ashkenasischen Masora-Tradition

PhD project

Der masoretische Kommentar des R. Yaʿaqov ben Asher Baʿal ha-Ṭurim in seinem Verhältnis zur aschkenasischen Masora-Tradition

In meinem Dissertationsprojekt soll der Torakommentar des Yaʿaqov ben ͗Asher (ca. 1270–1340) anhand der auf uns gekommenen mittelalterlichen Handschriften untersucht werden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf solchen Auslegungen liegen, die sich auf masoretische Notizen zur Schreibung bestimmter Worte (etwa plene/defektiv-Schreibungen oder qere/ketiv) bzw. masoretische Zählungen beziehen. Ziel des Projektes ist es, das Masoraverständnis des Yaʿaqov ben ͗Asher zu ergründen und zu klären, ob auch der Torakommentar vom Umstand beeinflusst ist, dass sein Autor eine Grenzgestalt zwischen den beiden kulturellen Räumen Sepharad und Aschkenas war. Um diesen Fragen nachgehen zu können, werden punktuelle Unterschiede zwischen sephardischer, orientalischer und aschkenasischer Masoratradition in mittelalterlichen Bibelkodizes herausgearbeitet werden. Des Weiteren soll das Projekt die Frage beantworten, wie stark Yaʿaqov ben ͗Asher seinen Kommentar an seine historischen Vorbilder Yehuda he-Ḥasid und Me ͗ir miRothenburg anlehnte, die ihrerseits masoretische Auslegungen verfasst haben. Es gilt auch zu beleuchten, bis zu welchem Grad das mystische Wissen der Ḥaside Ashkenaz sowie ihre prononcierten ethischen Vorstellungen in Yaaqovs Kommentar hineinspielten oder ob es sich bei seinem Werk, welches „das Herz vorantreiben“ (להמשיך הלב) soll, nicht eher um leichte Unterhaltungsliteratur eigenen Rechts handelt.

Der zunächst in Köln ansässige Yaʿaqov ben ͗Asher kam gegen 1305 mit ca. 35 Jahren nach Toledo. In Aschkenas hatte er ein Leben im Sinne traditioneller Gelehrsamkeit geführt. In der neuen Heimat sahen er und seine Familie, die auf Grund politischer Verstrickungen aus ihrer Heimat geflüchtet war, sich mit neuen Lebensrealitäten konfrontiert: Während in Aschkenas nach wie vor der Talmud wichtigster Lehrgegenstand war, übten sich Sephardim in der Kunst der Poesie, den Wissenschaften wie Grammatik und Astronomie und setzten sich mit der arabischen Literatur auseinander. Yaʿaqov ben͗ Asher wurde hier in erster Linie als Verfasser des epochalen halachischen Werks ’Arba ʿah Turim bekannt, das sämtliche Fragen jüdischen Lebens und Rechts behandelt und eine Integration zwischen aschkenasischer und sephardischer Rechts- und Kodifikationstradition darstellt. Die Forschung zu Inhalt und Verbreitung des Werkes hat gezeigt, dass dieses definitiv auf der iberischen Halbinsel entstanden ist (hierzu einschlägig Judah Galinsky).

Daneben ist Yaʿaqov ben ͗Asher aber auch Autor eines Torakommentars, der die von mir untersuchten masoretischen Notizen enthält. Dieser Kommentar ist heute vor allem in streng religiösen Kreisen beliebt und ist als Teil zahlreicher (später) Miqra ͗ot Gedolot-Ausgaben gedruckt worden. Er enthält neben den masoretischen Notizen Auslegungen zu paläographischen Besonderheiten des biblischen Texts sowie zu Zahlen- und Buchstabenspielen. Trotz seiner Popularität ist nur wenig über die kulturgeschichtlichen Aspekte und die Entstehungsgeschichte des Kommentars bekannt. Da sich die in dieser Zeit in Aschkenas und Spanien verwendeten Bibelkodizes in Bezug auf paläographische Phänomene, masoretische Zählungen und selten sogar in Schreibweisen einzelner Wörter unterscheiden, ist es möglich, den Ort der Entstehung des Kommentars zu ermitteln, was in der Forschung bisher nicht geschehen ist. Anhand eines Vergleichs seines Kommentars in seinen unterschiedlichen handschriftlichen Überlieferungen mit zeitgenössischen Bibelkodizes beider Räume, sollen Kongruenzen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Masoratraditionen ausgelotet und der Kommentar innerhalb dieser verortet werden. Das Dissertationsprojekt leistet somit seinen Beitrag zum DFG-Langzeitvorhaben Corpus Masoreticum, dessen Aufgabe es ist, die masoretische Tradition Westeuropas zu beschreiben, die sich von der sephardischen, aber auch der bereits breit erforschten orientalischen Tradition in Bezug auf philologische und kunstgeschichtliche Inhalte unterscheidet.